"Landfrauen bekommen eine Stimme" Drittes internationales Führungskräfteseminar in Herrsching vom 5.–18. Oktober 2025 Unter dem Motto „Landfrauen bekommen eine Stimme – Werkzeuge für ehrenamtliche Führungskräfte“ fand vom 5. bis 18. Oktober 2025 im Haus der Bayerischen Landwirtschaft (HdbL) in Herrsching das dritte internationale Führungskräfteseminar der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband (BBV) statt. Seit acht Jahren engagieren sich die Landfrauen im BBV im Aufbau einer Interessenvertretung für Landfrauen in Kenia. Inzwischen besteht dort ein eigenständiger Verband mit zwölf Kreisverbänden. Aufbauend auf diesen Erfolgen nahmen 18 ehrenamtliche Führungskräfte aus Kenia, Sambia und Uganda am Seminar teil. Ziel des Seminars Ziel war es, den Teilnehmerinnen praxisnahe Werkzeuge und Methoden zu vermitteln, um ihre ehrenamtliche Arbeit im landwirtschaftlichen Bereich in den Heimatländern wirksamer, strukturierter und selbstbewusster zu gestalten. Inhalte und Schwerpunkte Über zwei Wochen arbeiteten die Teilnehmerinnen in einem aktionsorientierten und praxisnahen Lernsetting, begleitet von zwei erfahrenen Trainerinnen. Ziel war es, theoretische Impulse stets mit konkreten Übungen zu verbinden und die Inhalte direkt auf die Realität ehrenamtlicher Verbandsarbeit zu übertragen. Kommunikation und Konfliktlösung Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Kommunikation in Führungspositionen. In praktischen Übungen trainierten die Teilnehmerinnen, klare Botschaften zu formulieren, Prioritäten zu setzen und ihre Ziele selbstbewusst zu vertreten. Kreative Methoden halfen dabei, Fokus und Zielstrebigkeit sichtbar zu machen. Ein immer wieder aufgegriffenes Thema war „Die Magie des Konflikts“. Die Frauen setzten sich intensiv mit Konfliktsituationen auseinander: Wie entstehen Konflikte? Wie kann ich sie aktiv und konstruktiv lösen? Und welche Rolle spielt mein eigenes Verhalten dabei? Diese Einheiten wurden von den Teilnehmerinnen als besonders wertvoll erlebt. Management und Verbandsarbeit Ein weiterer Schwerpunkt war die professionelle Organisation von Verbänden. Beim Besuch des Generalsekretariats des Bayerischen Bauernverbands in München begrüßte Dr. Andrea Fuß, erste stellvertretende Generalsekretärin des BBV, die Gäste und stellte Struktur, Aufgaben und Arbeitsweise des Verbands vor. Diskutiert wurden Themen wie Satzung, Finanzierung, Mitgliedergewinnung und -bindung. BBV-Referent Stefan Meitinger sprach über aktuelle Herausforderungen der Verbandsarbeit, insbesondere die EU-Politik und deren Auswirkungen auf Landwirtschaft und Lobbyarbeit. Dr. Brigitte Klamt gab zudem einen fundierten Einblick in die Arbeit der Landfrauenabteilung und die vielfältige Projektarbeit. Einblicke in regionale Strukturen Ergänzend besuchten die Teilnehmerinnen das Grüne Zentrum in Holzkirchen, die Geschäftsstelle des BBV und des Amts für Landwirtschaft. Dabei ging es unter anderem um den Umgang mit Flächenverbrauch, die Anforderungen an Führungspositionen sowie um Fragen der Akzeptanz junger Frauen in leitenden Funktionen und der Zusammenarbeit im Team. Persönliche Führungskompetenzen – „My Leadership“ Im Modul „My Leadership“ reflektierten die Teilnehmerinnen ihr persönliches Auftreten und ihre individuellen Führungskompetenzen. Sie vertieften ihre Moderations- und Kollaborationsfähigkeiten und stärkten ihre Präsenz. Eine besondere Übung bestand darin, einen dreiminütigen Vortrag über die eigene Person zeichnerisch vorzubereiten und diesen anschließend frei – ohne Sicht auf die Zeichnung – zu halten. Diese Aufgabe förderte Selbstvertrauen, Klarheit und Authentizität. Verhandlungen sicher meistern Großes Interesse fanden die Einheiten zu Verhandlungstechniken. Durch Übungen zum aktiven Zuhören lernten die Teilnehmerinnen, Interessen klar zu formulieren, Verhandlungspartner besser zu verstehen und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Kooperation und internationale Vernetzung Ein weiterer wichtiger Baustein war die Zusammenarbeit im Team. Themen wie Strukturen, Prozesse, Muster und Organisationskulturen wurden gemeinsam erarbeitet. In kollegialen Beratungen tauschten sich die Frauen über ihre Erfahrungen aus und legten damit den Grundstein für dauerhafte internationale Netzwerke. Austausch und Begegnungen Ein Highlight war der Austausch mit bayerischen Kreisbäuerinnen, die aus ihrem Ehrenamt berichteten und Themen wie politische Teilhabe, soziale Absicherung, Hofnachfolge und mentale Gesundheit ansprachen – Fragestellungen, die Landfrauen weltweit beschäftigen. Auch kulturelle Begegnungen prägten das Seminar, etwa der Besuch einer Vernissage in Herrsching sowie ein Wochenende auf bayerischen Bauernhöfen. Der Einblick in die stark strukturierte, technisch unterstützte Landwirtschaft in Bayern beeindruckte die afrikanischen Teilnehmerinnen ebenso wie die Wertschätzung, die Landfrauen hier erfahren. Gleichzeitig profitierten auch die bayerischen Gastgeberinnen vom interkulturellen Austausch und den Perspektiven ihrer internationalen Gäste. Stimmen der Teilnehmerinnen „Das Training hat eine sehr gute Wirkung. Es stärkt uns organisatorisch und persönlich– jede Teilnehmerin entwickelt ihren eigenen Weg.“ Phassy Mmbone, Kenia "Was ich hier lerne, kann ich in allen Lebensbereichen anwenden. Wir wollen das Narrativ von Landfrauen verändern – hin zu wirtschaftlicher Stärke und Vernetzung.“ Esther Mweemba, Sambia Fazit Das dritte Führungskräfteseminar war ein großer Erfolg. Es stärkte die fachlichen und persönlichen Kompetenzen der Teilnehmerinnen, förderte den interkulturellen Dialog und setzte nachhaltige Impulse für die Verbandsarbeit von Landfrauen in Afrika. Die positiven Rückmeldungen und geplanten Umsetzungen in den Heimatländern unterstreichen die Bedeutung dieses internationalen Engagements nachhaltig.