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Unsere Schulungen zeigen Wirkung

04. 03. 2022
Zum Internationalen Frauentag: Das Kenia-Projekt der Landfrauen kümmert sich auch um die Verhinderung von häuslicher Gewalt.
 

„Gleicher Beruf – zwei Welten“ – unter diesem Motto unterstützen Landfrauen im Bayerischen Bauernverband seit 2017 die kenianischen Bäuerinnen im ländlichen Raum. Dabei geht es nicht nur um die Stärkung der Einkommensmöglichkeiten mit eigenen landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie ressourcenschonende Ansätze für Hauswirtschaft und Familie. Mit ihrem Projekt stärken die bayerischen Landfrauen auch die Interessen und das Selbstbewusstsein der kenianischen Bäuerinnen.

„In vielen Bereichen kann von gleichen Rechten für Frauen immer noch nicht die Rede sein. So sind Frauen leider überproportional oft Opfer häuslicher Gewalt.“ Darauf weist Landesbäuerin Anneliese Göller anlässlich des Weltfrauentags am 8. März hin.

 

„Each for Equal“ – „Jede und jeder für Gleichberechtigung“ lautet das Motto des diesjährigen Internationalen Frauentags. Nach UN-Angaben ist die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern durch die Corona-Krise sogar noch verschärft worden. Die Zahl der Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt ist in Kenia während der COVID-19-Pandemie um 36 Prozent angestiegen.

„Im Januar hat der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta die ganze Nation aufgerufen, häusliche Gewalt zu unterbinden. Mit unserem Projekt der BBV-LIZ GmbH haben wir dies in unseren Projektgebieten in kleinem Rahmen umgesetzt“, sagt Landesbäuerin Göller. „Unter dem Titel „Don´t be silent about Gender Based Violence (GBV)“ haben wir 155 Frauen und Männer geschult, wie sie einen Beitrag leisten können, häusliche Gewalt zu vermeiden.“

Voraussetzung für die Teilnahme an den Trainings war, das Gelernte weiterzugeben. Jede teilnehmende Person sollte in der Familie, den Selbsthilfegruppen und in der Gemeinde über häusliche Gewalt aufklären und mindestens 50 Leute erreichen. Weil sich zu outen oft bedeutet, stigmatisiert zu werden, bleiben viele Leidtragende oft still.

 

Irene Sikuku, die in den Projektregionen die Schulungen mit organisiert, berichtet: „Die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung über häusliche Gewalt verbreitet sich wie ein Buschfeuer. Jeder der Teilnehmenden versucht sein Bestes, um GBV zu stoppen. Häusliche Gewalt und Kinderschändung sind die häufigsten Fälle. Laut amtlicher Statistik ist die Zahl derer, die einen Vorfall zur Anzeige gebracht haben, im Vergleich zu den Vorjahren stark angestiegen.“

Mehr als 7.000 Frauen und Männer konnten mit den Aufklärungsveranstaltungen erreicht werden.

Für Landesbäuerin Göller ist das ein gutes Zeichen: „Unsere Schulungen zeigen Wirkung, es bewegt sich etwas zum Positiven.“

 

Hier Erfahrungen und Eindrücke von drei kenianischen Bäuerinnen, die an den Schulungen teilnahmen:

 

Gladys aus Cheptais: Mein Status im Dorf wurde durch das Training aufgewertet. Ich bin jetzt von der Gemeindeverwaltung anerkannt, weil ich ein Zertifikat über die Teilnahme am Training zu geschlechtsspezifischer Gewalt erhalten habe. Ich organisiere Treffen im Dorf und kläre über die Auswirkungen von häuslicher Gewalt auf. Die meisten Dorfbewohner haben Gewalt im eigenen Umfeld erfahren, wissen aber nicht, wie sie reagieren sollen und wo sie Hilfe bekommen können. So konnte ich schon viele Konflikte in Familien lösen und Kindesmissbrauch aufdecken. Vor allem Frauen erfahren zum ersten Mal, dass ihre Rechte in der kenianischen Verfassung verankert sind und sie sich nicht alles gefallen lassen müssen.

 

Zainab aus Bumula: Ich habe gelernt, wie ich auf Menschen zugehen kann. Jetzt kann ich mich selbstbewusst dagegen wehren und auch meine Stimme erheben, um Gewalt zu stoppen.

Nachdem ich bei der Schulung über Vergewaltigung in der Ehe erfahren habe, habe ich gelernt, wie wichtig es ist, mit Gleichaltrigen über Sex zu sprechen und habe sie darüber aufgeklärt – deshalb nennen mich alle Leute hier nur noch „Dr. Love“. Mein Ziel ist es, die Menschen zum Nachdenken zu bringen. Deshalb beteilige ich mich stärker an den Aktivitäten der Dorfgruppen und arbeite eng mit den Meinungsführern der Gemeinde zusammen. Wir müssen noch viel stärker Männer ins Training miteinbeziehen, nur das hilft, um häusliche Gewalt dauerhaft zu reduzieren.

 

Praxides aus Kanduyi: In meinem Dorf gab es bereits viele Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt, wie die Verheiratung minderjähriger Mädchen, exzessiver Alkoholmissbrauch und sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder. Ich arbeite gut mit der Dorfverwaltung zusammen. Sie rufen mich, wenn es um Fälle häuslicher Gewalt geht. Wenn man über Wissen verfügt und sich verständlich ausdrückt, hören einem die Leute zu. Wir brauchen weiterhin Trainings, wie Konflikte friedlich gelöst werden können. Offene Kommunikation ist dabei der Schlüssel zu gegenseitigem Verständnis. Ich kann stolz sagen, dass wir in meinem Dorf ein besseres Leben führen.

Die Teilnehmerinnen aus Bungoma

Abschlussfoto der Gruppe von Frauen und Männern mit Zainab, Gladys und Praxides im November 2021.