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Bayerische Landfrauen reisen nach Westkenia

15. 02. 2018

 

Ende Januar 2018 reiste die Landesbäuerin Anneliese Göller zusammen mit ihrer zweiten Stellvertreterin, Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer und zwei bayerischen Bäuerinnen nach Kenia. Auf ihrer elftägigen Reise  haben sie zwei Themen im Gepäck: 

Die Interessenvertretung:  Mit ihrer Erfahrung wollen sie die kenianischen Bäuerinnen bei der Vertretung ihrer Interessen stärken und den Aufbau eines kenianischen Landfrauenverbandes unterstützen.

Die  Milchviehhaltung wollen sie mit ihrer fachlichen Expertise in Seminaren zur Kälberaufzucht bereichern.

 

Daphne Muchai, Gründerin der WoFaAK, hat in unserem Auftrag ein dreitägiges Seminar über Führung  und Leitung einer Selbsthilfegruppe durchgeführt.  Ziel war es zum einen, die Führungsfähigkeiten der 20 Teilnehmerinnen zu stärken und weiter auszubauen. Zum anderen sollten die Frauen sensibilisiert werden für einen eigenständigen, nationalen Landfrauenverband, im Hinblick auf die Gewinnung von Mitgliedern und die Bildung von Zweigstellen in den drei Countys.

Meeting in Kisumu

Auf diesem Bild sind die Landfrauen  bei einer Diskussion mit Vertreterinnen von Frauengruppen aus unserem Projektgebiet,  den drei  Countys  Siaya, Kakamega und Bungoma, vorne rechts  Daphne Muchai.

 

Wir kamen zum Abschluss des Seminars  um über die Landfrauenarbeit bei uns im BBV zu berichten: die Erfolge, die wir verbuchen konnten, aber auch die steten Herausforderungen um unseren Landfrauenverband lebendig und attraktiv zu halten. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Die kenianischen Frauen wollten u.a. wissen, wie man junge Frauen für den Beruf der Landwirtschaft begeistern könne. Die kenianischen Betriebe seien mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren  „überaltert“ .

 

Gruppenbild erstes L&G workshop

Auf dem Bild von link umrahmt von den Teilnehmerinnen: Maria Urban, stellvertretende Kreisbäuerin von Bad Tölz-Wolfratshausen, Christine Reitelshöfer, Bezirksbäuerin von Mittelfranken und Kreisbäuerin von Ansbach, Daphne Muchai, Anneliese Göller, Landesbäuerin und Bezirksbäuerin von Oberfranken und Kreisbäuerin von Bamberg und Carola Reiner,  ehem. Milchprinzessin (2013-2015) und Beirätin im Kreisverband Ansbach.

 

Daphne Muchai hat letztes Jahr im September einen kenianischen Landfrauenverband gegründet, die Women Farmer Association of Kenya (WoFaAK).  Am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Nairobi sprachen wir mit den ersten Mitgliedern der WoFaAK  aus Countys in der Umgebung von Nairobi: Nakuru, Kiambu, Kajiado, Meru, Embu und  Machakos.

 

Meeting in Nairobi

Landesbäuerin Anneliese Göller betonte, dass die Frauen auf dem richtigen Weg seien. Sie sollten den Mut  nicht verlieren, selbst  wenn der Aufbau langwierig ist und es manchmal an entsprechender Unterstützung fehle. Wichtig sei es, nach außen die Einzigartigkeit und den Zusammenhalt des Verbandes zu zeigen.  Ihrer Ansicht nach sind die Probleme und Anforderungen für Landfrauen ähnlich, egal auf welchem Teil der Erde sie leben würden.

Gemeinsam wurde vereinbart, dass die bayerischen Landfrauen weiterhin die Landfrauen hier unterstützen werden beim Aufbau eines starken Landfrauenverbandes. Die soll  in erster Linie  durch den Austausch von Erfahrungen und in der Finanzierung von Weiterbildungsveranstaltungen erfolgen.  So finanzieren wir Ende Februar und Mitte März zwei  weitere Seminare in Kakamega und Bungoma über  die Führung  und Leitung einer Gruppe/Verein mit jeweils 20 ausgewählten Teilnehmerinnen.

 

Der zweite wichtige Punkt unserer Reise galt der Milchviehhaltung – dem  Austausch mit Milchbäuerinnen über die Kälberaufzucht.

Wir veranstalteten  vier  eintägige Seminare zur Kälberaufzucht mit jeweils etwa 30 Teilnehmerinnen. Von vorne herein stellten wir klar, dass die teilnehmenden Frauen das erlernte Wissen als Multiplikatoren an andere Milchviehhalter/innen weitergeben müssen.

Das erste Seminar fand bei der Selbsthilfegruppe  HEMA SACCO in Nyorotis statt, im  äußersten östlichen Eck des County Kakamega. Die Vorsitzende, Nancy Onyino, hat im Januar 2017 am  „Visit International Green Week 2017 and Exposure Seminar on Rural Farmer Organizations“ in Berlin und Bayern teilgenommen.  Auf der Grünen Woche hat sie zum ersten Mal Schweizer Braunvieh gesehen und ist seither ein leidenschaftlicher Fan dieser Rasse.

 

nancy und Christine ReitelshöferNancys Kühe

Nancy Onyino und ihre Milchkühe. Sie stellte ihren Hof für das Seminar zur Verfügung.

 

 

Am Vormittag übermittelte eine Agrartechnikerin des Landwirtschaftsministeriums von Kakamega die Therorie zur Kälberaufzucht. Dabei mussten folgende Bereiche abgehandelt werden: Abkalben, Hygiene, Kolostrum, Fütterung, Haltung und Krankheiten.

 

 

Im Anschluss konnten wir uns mit den teilnehmenden Landfrauen austauschen. Wir erklärten, wie wichtig das Ausmelken sei, um einer Euterentzündung  vorzubeugen.  Dadurch könne viel Geld für eine Behandlung durch den Tierarzt eingespart werden. Ebenso verrieten unsere Bäuerinnen, welche Hausmittel sie erfolgreich bei Kälberdurchfall anwenden. Wir hatten den Eindruck, dass z.B. eine selbstgemacht Mischung  aus  Schwarztee mit etwas Salz und Traubenzucker den Frauen unbekannt war.

Hema sacco kälberseminar

Die vier bayerischen Landfrauen, eingerahmt von Katja Weber (ganz links), die die Trainings vor Ort mit organisiert hat und hier vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Ganz rechts neben  Carola Reiner sieht man Ruth Niedermüller, eine Agraringenieurin die für die GIZ gearbeitet hat, und in Kisuaheli übersetzt.


Für das zweite Training fuhren wir nach Lokomu, Kakamega County zur Lokomu Dairy Cooperative Society. Das Training fand in einer angemietenen Kirche statt.

 

Lokomu Kälbertraining

Im Vordergrund spricht Joynah Wabuyabo, Agrartechnikerin vom Landwirtschaftsministerium ( Abteilung Viehzucht) des County Kakamega. Ihr Credo lautet: Nur ein gut gehaltenes Kalb gibt später viel Milch. Besonders ausführlich ging sie auf die Schwierigkeiten bei der Geburt eines Kalbes ein.

 

Anneliese Göller in Kakamega

Zeitgleich stellte sich die Landesbäuerin Anneliese Göller zusammen mit Ruth Niedermüller im Landwirtschaftsministerium von Kakamega bei Mrs. Franina Machwemu vor.  Sie begrüßte unsere Initiative außerordentlich – das wäre der richtige Ansatz. Sie erzählte, das Ministerium hatte ein Projekt: „One cow per household“ (Eine Kuh pro Haushalt) ins Leben gerufen. Dabei wurden trächtige Kalbinnen mit guter Genetik verteilt, um die Milchleistung zu steigern.  Mittlerweile wurde das Projekt gestoppt, da sie feststellten, dass die Kälbersterblichkeit mit 60% sehr hoch war und gutes genetisches Material geradezu verpufft ist.  Es fehlt an einer fundierten Ausbildung der Kleinbauern.  Sie sehe unsere Kälberaufzucht-Trainings als Pilotprojekt. Sie werden alle Außendienstmitarbeiter durch zwei Agrartechnikerinnen schulen lassen, damit diese das neue Wissen an Kleinlandwirte und Gruppen weitergeben.

 

Küchenfoto

…. das ist die Küche mit den fleißigen Frauen, die für die Teilnehmerinnen und uns das Mittagessen zubereiten.

 

Für viele Familien sind die Rinder eine Art Sparkasse. Im Notfall werden Rinder verkauft. So wollte eine kenianische Bäuerin wissen, wieviel Geld wir für eine Kuh bekämen.

Lukomo dairy

Im Anschluss besichtigten wir die Milchannahmestelle der Lukomo-Gruppe. Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer war im Juli 2016 zum ersten Mal hier - zur Einweihung der Anlage mit einem 3000 Liter-Tank. Der Geschäftsführer Gilbert Sunguti hat ehrgeizige Pläne, bis 2022 will er es schaffen jeden Tag 3000 l Milch seiner Genossenschaftsmitglieder vermarkten. Momentan vertreibt die Kooperative 500 l/Tag. Derzeit ist er auf der Suche nach neuen, langfristigen Abnehmern. Er erzählte uns, dass er den Kontrakt mit einer Molkerei gekündigt hat und nun regional vermarktet, u.a. an Schulen und Institute. Dadurch wurde der Auszahlungspreis für die Milch von 23 auf 33 KES/Liter (von etwa 19 auf 27 Cent/Liter)  gesteigert. Das zieht wiederum neue Bauern an. Mithilfe unseres Kälbertrainings erhofft er sich für die Mitglieder eine Steigerung der Milchmenge durch bessere Haltung und Fütterung.

 

richtung cheptais

 

Für unser drittes Training fuhren wir nahe an die Grenze nach Uganda, nach Bukonoi  im Bungoma  County zur Gruppe „Women of Hope“. Auch hier konnten wir in einer angemieteten Kirche tagen. Mrs. Phaenice Cherotich leitet die Gruppe, die seit 2011 besteht und mittlerweile 20 Mitglieder zählt.

 

Die Agrartechnikerin vom Landwirtschaftministerium Rose Khisa  stellte ihren Vortrag unter dem Motto: “Our calf of today is tomorrows cow “ (Unser Kalb von heute ist die Kuh von morgen). Eine gute Kälberaufzucht ist die Grundlage für eine leistungsfähige Milchkuh.

 

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Trainerin Rose zeigt den Teilnehmerinnen, wie man mit einfachen Mitteln das Gewicht eines Kalbes bestimmt.  Anhand des gemessenen Brustumfanges kann man in einer Tabelle das Gewicht des Kalbes ablesen. Das ist wichtig zum Beispiel für die richtige Dosierung bei der Behandlung mit Entwurmungsmitteln.

 

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Maria Urban versucht, das „Demonstrationskalb“ zum Wassertrinken zu animieren.

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Auf dem Weg nach Kimililli überholten wir einen - für die Region typischen – Milchtransporter.

Unser letztes Training fand auf dem Hof von Moses Wafula in Kimilili im Bungoma County statt.

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Erneut referierte Rose Khisa vor knapp 60 Teilnehmer/innen. Sie hielt die Bäuerinnen an, Termine genau einzuhalten und in einem Heft festzuhalten, wie z.B. ab dem 3. Tag dem Kalb Wasser geben, ab der 3.Woche Rauhfutter zu füttern. Auch sollten die Termine für Entwurmung bzw. Parasitenbehandlung genau eingehalten werden. Besonders begrüßt wurde Samson Kunyu, Direktor der Abteilung Tierische Erzeugung  im Landwirtschaftsministerium von Bungoma. Er ermutigte die Teilnehmer, das Erlernte konsequent umzusetzen. Nur so könnten sie Schritt für Schritt der Armut entfliehen.

 

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Moses Wafula ist einer der wenigen Bauern mit einem eigenen Brunnen auf dem Hof. 

 

Am letzten Tag in Westkenia hatten wir noch ein Treffen mit dem Landwirtschaftsminister von Bungoma, Herrn Matthew Wanjala. Herr Wanjala ist seit Januar 2018 im Amt. Die Milchmenge der Kleinlandwirte liegt im Durchschnitt bei 3-5 Ltr./Kuh – im Durchschnitt werden 2-3 Kühe gehalten. Die Kälber sind mager - warum, weil die wenige Milch, die die Kuh gibt, nur teilweise an das Kalb verfüttert wird.  Die Milch wird entweder zuhause in der Familie verbraucht oder auf dem Markt verkauft. Die Kuh gibt deshalb wenig Milch, weil sie zu wenig gehaltvolles Futter bekommt - ein Teufelskreis. Dabei wäre es durchaus möglich, in der Regenzeit Heu oder Silage zu machen (in kleinen Rahmen) – es braucht halt Ausbildung und Aufklärung. Wir stellten uns, unser Projekt und die bis jetzt erfolgten Aktivitäten vor. Er war begeistert von unseren Trainings zur Kälberaufzucht und versicherte uns, dass die Außendienstmitarbeiter des Amtes nun speziell zu diesem Thema geschult werden, um die Bauernfamilien flächendeckend weiterbilden zu können.

Januar 2018 Bungoma

Von links: Angelika Eberl, Carola Reiner, Anneliese Göller, Minister Matthew Wanjala, Christine Reitelshöfer, Maria Urban, Ruth Niedermüller, der Stellvertreter von Minister Wanjala und Samson Kunyu, Direktor für Tierhaltung.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für die warme Gastfreundschaft und das große Interesse an uns und unserer Aufgabe. Wir waren alle sehr beeindruckt von der herzlichen Begrüßung, dem Engagement und der Schaffenskraft der kenianischen Landfrauen - mitsingen ging ganz gut, beim Tanzen haben wir uns zwar nach Kräften bemüht, konnten  aber nicht so recht mithalten.