Kompetenzen teilen - Wandel gestalten
Kompetenzen teilen – Wandel gestalten
Junge Stimmen aus Kenia in Bayern
Die Welt der Landwirtschaft und Ernährung befindet sich im Wandel – und zwar in eine vielversprechende Richtung. Weltweit werden Strukturen neu gedacht, um sie nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten. Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen stehen dabei im Mittelpunkt. Genau hier setzt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und regionale Identität (BMLEH) an.
Sein Ziel ist klar: Das Menschenrecht auf Nahrung soll Realität werden – nicht nur ein wohlklingendes Versprechen.
Um dies zu erreichen, bringt das Ministerium Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verbänden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Der Austausch erfolgt offen, kritisch und auf Augenhöhe. Grundlage der Zusammenarbeit sind die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030: die Stärkung von Frauen, die Förderung junger Menschen, die Einbeziehung marginalisierter Gruppen, gesellschaftliche Teilhabe und globale Partnerschaft.
Internationaler Leadership-Workshop für die ländliche Jugend
Ein besonderes Leuchtturmprojekt ist der Internationale Leadership-Workshop für die ländliche Jugend, der seit 1962 alle zwei Jahre in Herrsching am Ammersee stattfindet. Vom 14. bis 27. August 2025 steht der Workshop unter dem Motto
„Sharing Skills – Shaping Change“.
82 junge Führungspersönlichkeiten aus 59 Ländern kommen zusammen – engagierte Menschen aus der ländlichen Jugendarbeit und beruflichen Bildung, die Verantwortung übernehmen, mit Leidenschaft führen und andere inspirieren. In diesem Jahr lud BBV LIZ zwei engagierte junge Frauen der Organisation WoFaAK ein:
Carolyne Wanjiru Marigu aus dem Embu County und Helda Achieng Okoth aus dem Kisumu County.
Beide setzen sich in ihren Gemeinden aktiv für nachhaltige Landwirtschaft und die Stärkung von Frauen und Jugendlichen ein – und nutzten die Gelegenheit, neue Perspektiven zu gewinnen.
Carolyne, Helda – bitte stellt euch kurz vor.
Carolyne:
Ich bin Carolyne Marigu aus dem Dorf Nduuri im Embu County in Kenia. Meine große Leidenschaft ist die wirtschaftliche Stärkung junger Frauen durch Landwirtschaft.
Helda:
Ich bin Helda Achieng Okoth aus dem Siaya County. Ich engagiere mich für Landwirtschaft, Jugendförderung und dafür, jungen Frauen den Einstieg ins Agribusiness zu ermöglichen. Bei WoFaAK unterstütze ich Frauen und Jugendliche vor allem in den Bereichen Nachernteverarbeitung und Wertschöpfung. Außerdem baue ich indigene Gemüsesorten und Bananen an und halte lokale Hühner.
Wie seid ihr zu WoFaAK gekommen?
Carolyne:
Durch eine Freundin bin ich auf WoFaAK aufmerksam geworden. Kurz darauf hat sich auch unsere Jugendgruppe in der Gemeinde angeschlossen. Wir sind sehr dankbar, Teil von WoFaAK zu sein.
Helda:
Auch ich habe WoFaAK über eine Freundin kennengelernt. Mich hat die klare Vision beeindruckt, Frauen in der Landwirtschaft gezielt zu stärken. Mit der Zeit habe ich mich aktiv in Schulungen und in der Gemeindearbeit engagiert, insbesondere für Frauen und Jugendliche. Später bin ich der „Geno’s Self-Help Group“ beigetreten, wo ich als Schatzmeisterin tätig war.
„Sharing Skills – Shaping Change“ klingt ambitioniert. Was bedeutet das für euch – und was nehmt ihr mit nach Kenia?
Carolyne:
Das Motto passt perfekt. Ich nehme vor allem neue Führungskompetenzen mit: Probleme strukturiert angehen, Aktionspläne entwickeln und klar kommunizieren. Diese Fähigkeiten helfen mir, nachhaltige Projekte in unseren Organisationen umzusetzen.
Helda:
Für mich bedeutet es, voneinander zu lernen und dieses Wissen weiterzugeben. Ich nehme neue Ansätze für Frauenführung im ländlichen Raum mit – und viel Motivation, in Kenia noch inklusivere Räume für Frauen und junge Menschen in der Landwirtschaft zu schaffen.
Was waren eure persönlichen Highlights – und warum?
Carolyne:
Besonders gefallen haben mir die sprachgruppenbasierten Kurse. Unsere Trainerin Charlotte hat uns sehr ermutigt, kreativ zu denken und neue Wege zu gehen. Auch der Ausflug zu einem genossenschaftlich organisierten Biohof war inspirierend – ich habe viele Ideen mitgenommen, wie nachhaltige Lebensmittelversorgung in der Gemeinschaft gelingen kann.
Helda:
Mein größtes Highlight war der Austausch mit jungen Führungskräften aus so vielen Ländern. Es war beeindruckend zu sehen, wie ähnlich unsere Herausforderungen und Träume sind.
59 Länder, unzählige Kulturen: Was hat euch mehr beeindruckt – die Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten?
Carolyne:
Beides. Die kulturelle Vielfalt war faszinierend. Gleichzeitig hat mich sehr bewegt, dass wir alle ähnliche Ziele verfolgen: Ernährungssicherheit, Umweltschutz und bessere Lebensbedingungen für unsere Gemeinschaften.
Helda:
Ich habe viele unterschiedliche Kulturen erlebt – in Kleidung, Sprache und Ideen. Am stärksten waren aber die Gemeinsamkeiten: die Leidenschaft für Veränderung und der Wunsch, etwas Positives zu bewirken.
Und wie habt ihr Bayern erlebt – Landschaft, Kultur, vielleicht sogar das Essen?
Carolyne:
Die bayerische Landschaft ist wunderschön. Die Sonnenuntergänge am See, die Wanderungen in den Alpen – all das war einzigartig. Auch die Kultur, von Trachten und Musik bis hin zur regionalen Küche, hat mich begeistert. Besonders mochte ich Kartoffelgerichte, Geflügel, fermentiertes Gemüse und die große Käsevielfalt.
Helda:
Bayern habe ich als sehr grün, ruhig und herzlich erlebt. Die Menschen waren offen, und auch wenn Essen und Musik anders waren als zu Hause, habe ich alles sehr genossen.
Zum Schluss: Möchtet ihr noch etwas mit uns teilen?
Carolyne:
Ich bin BBV LIZ sehr dankbar für diese Einladung. Diese Erfahrung hat mich persönlich und fachlich sehr gestärkt. Ich bin hoch motiviert, das Gelernte in meiner Gemeinde umzusetzen und freue mich auf weitere Zusammenarbeit. Gemeinsam können wir positiven Wandel gestalten – in Kenia und in Deutschland. Und ich würde sehr gern wieder nach Bayern zurückkehren.
Helda:
Auch ich bin sehr dankbar für diese Chance. Der Workshop hat meinen Blick geweitet und mein Selbstvertrauen gestärkt. Er hat mir gezeigt, dass junge Frauen starke Stimmen für Veränderung sind. Mit dem gewonnenen Wissen plane ich eine Kräuterfarm aufzubauen und weitere junge Frauen im Kräuteranbau zu schulen – Bilder folgen.
Asante sana – vielen Dank.
Exkursion auf den Hof von Elisabeth Doll, Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft, Kräuterpädagogin und Gartenbäuerin und im Anschluss zum Ferienhof Grasla der Familie Heumoos.
Die Teilnehmerinnen sind stolz auf ihre Zertifikate. Dr. Andrea Fuß mit Teilnehmerinnen aus Kenia, Ghana, Namibia und Sambia.