Internationaler Tag der Landfrau – drei Fragen an Landesbäuerin Anneliese Göller

Frauen spielen eine entscheidende Rolle bei der landwirtschaftlichen Entwicklung und damit auch bei der Entwicklung ländlicher Regionen. Darauf macht der Internationale Tag der Landfrauen am 15. Oktober aufmerksam. Für die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband gehört es zum Selbstverständnis, ihren Beitrag für die Verbesserung der Ernährungssicherheit zu leisten – regional und international.

1. Frau Göller, die Arbeit und Beiträge der Landfrauen werden manchmal nicht gewürdigt – dabei bewegen die Landfrauen Vieles. Worauf sind Sie stolz als Bäuerin und Landesbäuerin im Bayerischen Bauernverband?

Dazu fallen mir spontan drei Beispiele ein. Auf lokaler Ebene sind das unsere alljährlichen Landfrauentage mit zahlreichen Ehrengästen aus Politik und Gesellschaft. Mit Referaten zu zukunftsweisenden Themen stoßen wir hierbei Diskussionsprozesse im ländlichen Raum an.
Dieses Jahr geht es um „Richtig gut leben?!“ – Was braucht es dazu und was können wir Landfrauen beitragen, damit dieser Wunsch nicht nur ein Wunsch bleibt? Wir wollen unseren Gästen Impulse geben, ihre Verhaltensweisen zum Thema Nachhaltigkeit zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen oder zu ändern. Denn für ein zufriedenes und wertvolles Leben kann man vieles selbst beitragen!

Auf regionaler Ebene: in jahrelanger Lobbyarbeit (mehr als sieben Jahre) – übrigens ausgehend von Unterschriftenaktionen auf allen unseren Landfrauentagen – haben wir es geschafft, dass der Lehrplan in allgemeinbildenden Schulen bereichert wird mit dem Fach „Alltagskompetenzen“. In Projektwochen werden den Schülern die Themenfelder Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt verstärkt alltagsrelevant und praxisnah vermittelt.
Damit ist Bayern Pilotland für die Einführung von Alltagskompetenzen als Projektwochen in Schulen. Hier haben wir viel erreicht, denn der Alltag findet täglich statt – er begleitet uns von der Wiege bis zur Bahre.

Internationale Ebene: „Gleicher Beruf – zwei Welten“ – im dritten Jahr bewegen wir uns erfolgreich auf internationalem Parkett. Wir unterstützen Bäuerinnen in Westkenia mit speziellen Schulungsangeboten und einem länderübergreifenden Wissensaustausch zwischen Landfrauen aus Bayern und Kenia in den Bereichen Interessensvertretung, Einkommensgenerierung und Ernährungsbildung. Es ist eine wertvolle Arbeit von Bäuerin zu Bäuerin! Es beeindruckt mich sehr, wie viel Interesse an unseren Schulungen besteht und wie tatkräftig sie vor Ort umgesetzt werden.

2. Was ist das Besondere an den bayerischen Landfrauen?
Wir Landfrauen sind basisdemokratisch aufgestellt und haben ein dichtes Netzwerk innerhalb des Verbandes. In zahlreichen Versammlungen und Besprechungen werden Entscheidungen gemeinsam getroffen, umgesetzt und getragen. Das alles beruht auf einem wichtigen Prinzip: Einigkeit in der Sache und breit aufgestellt in der Umsetzung.

3. Welche Bedeutung hat für Sie der Internationalen Tag der Landfrauen?
Für mich ist es einerseits die Gelegenheit, allen mutigen und kreativen Landfrauen für ihr unermüdliches Engagement zu danken – ohne sie wären wir nicht, wo wir jetzt sind. Andererseits ist es der Tag, um auf die – nach wie vor – notwendige Unterstützung der Landfrauen in dieser Welt aufmerksam zu machen.
Mein Appell richtet sich an alle Frauen im ländlichen Raum – ob jung, ob alt: In der Region, in der wir leben, können wir die Welt verändern: Indem wir uns einsetzen und Dinge bewusst angehen. Das braucht Ihr Engagement – trauen Sie sich – werden Sie aktiv!