Große Ziele erreicht man mit vielen kleinen Schritten

Für acht Tage haben wieder vier bayerische Landfrauen ihre Arbeit auf dem Hof gegen einen Arbeitsplatz in Kenia eingetauscht. Es war bereits die vierte Reise von bayerischen Bäuerinnen, um ihre kenianischen Berufskolleginnen in praktischen Fragen der Milchviehhaltung und einer verbesserten Ernährung zu unterstützen – und um sie in der Vertretung ihrer Interessen als Landfrauen zu stärken. „Zwei Welten – ein Beruf“ – die bayerischen Bäuerinnen sind mit eindrucksvollen Berichten zurückgekehrt.

Auf dem Programm standen drei große Veranstaltungen zum Thema: Wie bereite ich einen Landfrauentag vor? Dazu waren in jedem County etwa 100 Frauen -alle Mitglieder bei der WoFaAK- eingeladen. Unsere beiden Bezirksbäuerinnen, Maria Hossmann und Rita Blümel berichteten über ihre Erfahrungen bei der Vorbereitung und Durchführung dieses besonderen Tages. Immer wieder haben sie hervorgehoben, welche wichtige Rolle die Presse und die Medien dabei spielen.

Abschlussfoto vom Treffen der WoFaAK-Frauen in Siaya.

Dafür konnten wir John Riaga, einen jungen kenianischen Journalisten für einen Vortrag gewinnen. Er vermittelte den Frauen sehr anschaulich Basiswissen über Kommunikation und aktives Zuhören.

John Riaga bei seinem Vortrag über Kommunikation.

Abschließend wählten die Frauen das Thema für den Landfrauentag. Es kamen nur Vorschläge und Wünsche, die das Leben und die Arbeit auf den Höfen betrafen: Zugang zu Wasser, bessere Straßen, Bodenfruchtbarkeit, Erschließung von Märkten, Fachwissen über die Landbewirtschaftung. In Siaya und Kakamega wurde „Wasser“ und in Bungoma „Marktzugang“ bestimmt.

 

Drei zweitägige Schulungen zur Milchviehhaltung – Fütterung, Zucht, Dokumentation und Milchhygiene fanden in Lukomo, Kimilili und Cheptais statt. Die Zwischenkalbezeiten, also die Zeit zwischen aufeinanderfolgenden Geburten, beträgt oft mehr als 1,5 bis 2 Jahre. Bei uns in Bayern beträgt die Zwischenkalbezeit ungefähr 1 Jahr. Damit sichert sich der Landwirt eine relativ gleichbleibende Milchmenge übers Jahr.

Erneut wiesen wir auf die wichtigsten Punkte bei der künstlichen Besamung hin. Wie erkennt man, ob der Samen noch lebendig ist? Was tun, wenn der Besamer zu spät kommt? Woran erkennt man, ob eine Kuh stierig ist? An den Reaktionen der Frauen erkennt man häufig, dass sie es nicht gewohnt sind – es ihnen möglicherweise auch nicht gestattet ist, einen Besamer (Mann) zurück zu schicken, wenn er zu spät kommt, oder wenn im Samenbehälter offensichtlich kein Flüssigstickstoff mehr vorhanden ist. Offensichtlich haben sie in der Vergangenheit bezahlt ohne eine entsprechende Leistung dafür zu erhalten.

Trainerin Rose erklärt den Teilnehmern das Ergebnis des Schalmtests.

Die Trainerin Rose hatte wieder einen sehr guten Kurs abgehalten. Sie hatte auch dieses Mal praktisches Anschauungsmaterial dabei. Neben diversen Futterpflanzen und Milchbehältnissen hatte sie auch einen sog. Schalmtest dabei. Dieser dient zur schnellen und sicheren Mastitis Früherkennung durch Zellgehaltsbestimmung jedes einzelnen Euterviertels. Die Kuh von Gastgeber Moses wurde gemolken und die Milch untersucht. Testergebnis: 1 Titze ist entzündet.

Am letzten Tag nahmen wir in Siaya an der zweitägigen Schulung für Frauen zur verbesserten Ernährung mit lokalen Lebensmitteln teil. Ziel ist es Frauen als Trainerin für eine ausgewogene Ernährung auszubilden. Die Trainerin Margaret Were absolvierte ein gut strukturiertes, straffes Training. Mit den Worten „Local Food at a Hotel is expensive – and therefore a source of income for the farmer” ermutigte sie die Teilnehmer, von den white-collar-jobs zurück zur Farmarbeit zu kehren.

Die Teilnehmer lernten die verschiedenen lokal zur Verfügung stehenden Lebensmittel nach folgenden Kriterien zu beurteilen:
Availability – steht das Produkt ganzjährig zur Verfügung?
Accessability – habe ich Zugang zu diesem Produkt?
Utilisation – wie kann ich dieses Produkt verwenden, was kann ich daraus machen?
Income Generation – kann ich damit Einkommen erzielen?

Hierbei arbeitete sie vier Schritte heraus, die genau geplant werden sollten: 1. Produktion, 2. Transformation, 3. Transport und 4. Marketing. Den Teilnehmerinnen wurde bewusst gemacht, was alles in ihrer Region wächst (selbst in der Trockenzeit). Es gehe jedoch nicht darum, die eigenen Produkte zu verkaufen, man sollte sie auch selbst essen und verschiedene Zubereitungsarten kennen.

In den zwei Tagen wurden viele verschiedene Gerichte aus den lokal verfügbaren Lebensmitteln hergestellt. Bemerkenswert ist, dass die Gruppenmitglieder alle von zuhause Lebensmittel mitbrachten, die dann auch zubereitet wurden.

Neue Gerichte mit heimischen Lebensmittel – in wenigen Stunden gemeinsam zubereitet.

Die wenigen jungen Männer waren begeistert dabei und haben aktiv mitgekocht. Die alten Männer hatten eher die Funktion zu überprüfen, was das für eine Veranstaltung wäre und diese als solche gut zu heißen, auch wenn sie Ihre Anwesenheit damit begründeten, eine Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, wenn ihre Frauen nicht zuhause sind. Die Teilnehmer fanden es sehr gut, neue Rezepte ausprobieren zu können. Besonders angetan waren sie vom Kuchen und den Fettgebäck mit Hirse.

Trainerin Margret Were zeigt, wie man den Teig für Mandazi zubereitet.

 

….. und abschließend die persönlichen Eindrücke unserer bayerischen Bäuerinnen:

 

 

Rita Blümel aus Schierling, Bezirksbäuerin des BBV Oberpfalz:

„Mich beeindruckte der Mut dieser Frauen, die gemeinsam ihre Lebensbedingungen verbessern wollen. Ich war überrascht, mit wie viel großen Problemen die Bäuerinnen beschäftigt sind: der Aufbau der Landwirtschaft und einer besseren Infrastruktur, die Wasserversorgung steht an oberster Stelle, das Interesse an einer erfolgreichen Viehzucht, an einer ertragreichen Landwirtschaft durch eine bessere Bodenbewirtschaftung. Diese Frauen sind für mich richtige Kämpferinnen, die für ihr Land und für die Zukunft ihrer Kinder kämpfen, Frauen die aufstehen und ihre Stimme erheben. Ich bin mir sicher, der von uns vorgeschlagene Landfrauentag in ihrer Heimat bewegt das Land.

Mich beeindruckte der Stolz auf ihre Landwirtschaft. Ihr Leitspruch: „wamama wakulima, lisha ulimwengu“ – „Wir sind Bäuerinnen, wir werden die Welt ernähren!“ ist für mich ein Mutspruch von Frauen, die so wenig besitzen und die Hoffnung für die Lebensmittelversorgung in ihrem Land nie aufgeben werden. Ihr Temperament, ihre Herzlichkeit, ihre Offenheit und die Warmherzigkeit zu uns Bäuerinnen aus Bayern und der respektvolle Umgang mit uns, hat mein Leben um ein großes Stück bereichert.“

 

 

 

Susanne Kilian aus Nenzenheim, Junglandwirtin und Agrarmanagement-Studentin:

„Ich bin mit sehr viel Dankbarkeit zurückgekehrt für das, was wir in unserem Land hier alles haben – Dankbarkeit für unsere Landwirtschaft und dass wir wirklich stolz sein können, auf das was, wir die letzten Jahre alles geleistet haben.

Die Menschen mit ihrer offenen und freundlichen Art uns gegenüber hat mich sehr beeindruckt, ihre Wissbegierde und Freude über den Austausch und Neugelerntes. Die Bäuerinnen brennen für die Sache und man spürt, dass sie etwas bewegen und ihre Interessen vertreten wollen.

Mir ist auch bewusst geworden, dass Lernen etwas Besonderes, ein Privileg ist. Wissen ist ein zentraler Schlüssel zum Erfolg. Wir konnten etwas von unserem Wissen weitergeben. Der Gedanke, dass wir kleine Veränderungen angestoßen haben und dadurch später vielleicht etwas ganz Großes entsteht, macht mich glücklich. Ich nehme auch Gelassenheit von den Kenianerinnen mit, nicht alles so verbissen zu sehen und einfach mal glücklich über das zu sein, was ich habe und bin.“

 

 

Waltraud Ranz, Milchbäuerin aus Schwabsoien

„Wir haben Menschen getroffen, die sehr interessiert sind von uns etwas zu lernen. Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Gelassenheit dieser Menschen, Schwierigkeiten so hinzunehmen wie sie sind und ganz ruhig das Beste daraus zu machen.

Niemand regt sich auf, wenn auf einer viel befahrenen vierspurigen ‚Autobahn‘ eine Herde Kühe in einer Seelenruhe die Fahrbahn kreuzt. Von dieser Gelassenheit können wir uns oft ein Beispiel nehmen.“

 

 

Maria Hoßmann aus Eußenheim, Bezirksbäuerin in Unterfranken:

Unser Slogan „ Ein Beruf – zwei Welten“ ist so passend. In Kenia und bei uns begreifen die Bäuerinnen ihren Beruf als Aufgabe, die Menschen zu ernähren. Wir haben dafür ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Die Frauen sind sehr wissensdurstig und schätzen es sehr, dass wir aus Deutschland zu ihnen kommen. Ihre Lebensfreude und der feste Wille, etwas an ihrer schwierigen Situation zu ändern, haben mich sehr beeindruckt. Die vor einem Jahr gegründete Landfrauengruppe WoFaAK (Women Farmers Association of Kenya) stärkt die Frauen, an ihrem Ziel festzuhalten und gemeinsam etwas für die Bäuerinnen zu erreichen. Deshalb freut es mich, dass wir ihnen für die Vorbereitungen ihrer Landfrauentage Anregungen geben konnten. Bei diesen Veranstaltungen möchten die Bäuerinnen vor allem Themen behandeln, die das Leben und die Arbeit auf ihren Höfen betreffen, zum Beispiel der Zugang zu Wasser, bessere Straßen, Bodenfruchtbarkeit, die Erschließung von Märkten, Wissen über Landbewirtschaftung und Persönlichkeitsbildung.

Die Reise hat mir gezeigt, dass wir unseren Luxus in dem wir leben, als zu selbstverständlich nehmen. Dabei haben Generationen vor uns hart dafür gekämpft und gearbeitet.“

Die nächste Reise ist für Ende Mai/Anfang Juni geplant. Wir bleiben dran.