Erste Reise mit bayerischen Landfrauen ins Projektgebiet

 

Ende Januar 2018 reiste die Landesbäuerin Anneliese Göller zusammen mit drei Landfrauen nach Kenia. Auf ihrer elftägigen Reise wollen sie die kenianischen Bäuerinnen bei der Vertretung ihrer Interessen stärken und somit den Aufbau eines kenianischen Landfrauenverbandes unterstützen. Zweites Anliegen ist die Förderung der Milchviehhaltung durch Seminare zur Kälberaufzucht.

Die Trainerin Daphne Muchai hat in unserem Auftrag ein dreitägiges Seminar über Führung und Leitung einer Gruppe/Verein durchgeführt. Ziel war es zum einen, die Führungsfähigkeiten der 20 Teilnehmerinnen zu stärken und weiter auszubauen. Zum anderen sollten die Frauen sensibilisiert werden für einen eigenständigen, nationalen Landfrauenverband, im Hinblick auf die Gewinnung von Mitgliedern und die Bildung von Zweigstellen in den drei Countys.

Auf diesem Bild sind die Landfrauen bei einer Diskussion mit Vertreterinnen von Frauengruppen aus unserem Projektgebiet, den drei Countys Siaya, Kakamega und Bungoma, vorne rechts Daphne Muchai.

Wir kamen zum Abschluss des Seminars um über die Landfrauenarbeit bei uns im BBV zu berichten: die Erfolge, die wir verbuchen konnten, aber auch die steten Herausforderungen um unseren Landfrauenverband lebendig und attraktiv zu halten. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Die kenianischen Frauen wollten u.a. wissen, wie man junge Frauen für den Beruf der Landwirtschaft begeistern könne. Die kenianischen Betriebe seien mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren „überaltert“.

Auf dem Bild von links umrahmt von den Teilnehmerinnen: Maria Urban, stellvertretende Kreisbäuerin von Bad Tölz-Wolfratshausen, Christine Reitelshöfer, Bezirksbäuerin von Mittelfranken und Kreisbäuerin von Ansbach, Daphne Muchai, Anneliese Göller, Landesbäuerin und Bezirksbäuerin von Oberfranken und Kreisbäuerin von Bamberg und Carola Reiner, ehem. Milchprinzessin (2013-2015) und Beirätin im Kreisverband Ansbach.

Daphne Muchai hat letztes Jahr im September einen kenianischen Landfrauenverband gegründet, die Women Farmer Association of Kenya (WoFaAK). Am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Nairobi sprachen wir mit den ersten Mitgliedern der WoFaAK aus Countys in der Umgebung von Nairobi: Nakuru, Kiambu, Kajiado, Meru, Embu und Machakos über den Auf- und Ausbau eines Landfrauenverbandes.

Landesbäuerin Anneliese Göller betonte, dass die Frauen auf dem richtigen Weg seien. Sie sollten den Mut nicht verlieren, selbst wenn der Aufbau langwierig ist und es manchmal an entsprechender Unterstützung fehle. Wichtig sei es, nach außen die Einzigartigkeit und den Zusammenhalt des Verbandes zu zeigen. Ihrer Ansicht nach sind die Probleme und Anforderungen für Landfrauen ähnlich, egal auf welchem Teil der Erde sie leben würden. Gemeinsam wurde vereinbart, dass die bayerischen Landfrauen weiterhin die Landfrauen in Kenia beim Aufbau eines starken Landfrauenverbandes unterstützen werden. Die soll in erster Linie durch den Austausch von Erfahrungen und in der Finanzierung von Weiterbildungsveranstaltungen erfolgen. So richten wir Ende Februar und Mitte März zwei weitere Seminare in Kakamega und Bungoma aus über die Führung und Leitung einer Gruppe/Verein mit jeweils 20 ausgewählten Teilnehmerinnen .

 

Der zweite wichtige Punkt der Mission galt der Milchviehhaltung – der Austausch mit Milchbäuerinnen über die Kälberaufzucht.

Wir veranstalteten vier eintägige Seminare zur Kälberaufzucht mit jeweils 30 und mehr Teilnehmer/innen. Von vorne herein stellten wir klar, dass die teilnehmenden Frauen das erlernte Wissen als Multiplikatoren an andere Milchviehhalter/innen weitergeben müssen.

Das erste Seminar fand bei der Selbsthilfegruppe HEMA SACCO in Nyorotis statt, im äußersten Eck des County Kakamega. Die Vorsitzende, Nancy Onyino, hat im Januar 2017 am „Visit International Green Week 2017 and Exposure Seminar on Rural Farmer Organizations“ in Berlin und Bayern teilgenommen. Auf der Grünen Woche hat sie zum ersten Mal Schweizer Braunvieh gesehen und ist seither ein leidenschaftlicher Fan dieser Rasse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nancy Onyino und ihre Milchkühe. Sie stellte ihren Hof für das Seminar zur Verfügung.

Am Vormittag übermittelte Josephine, eine Agrartechnikerin des Landwirtschaftsministeriums von Kakamega die Therorie zur Kälberaufzucht. Dabei mussten folgende Bereiche abgehandelt werden: Abkalben, Hygiene, Kolostrum, Fütterung, Haltung und Krankheiten.

Die vier bayerischen Landfrauen, eingerahmt von Katja Weber (ganz links), die die Trainings vor Ort mitorganisiert hat und hier vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Ganz rechts neben Carola Reiner sieht man Ruth Niedermüller, eine Agraringenieurin, die für die GIZ gearbeitet hat und in Kisuaheli übersetzt.

Im Anschluss konnten wir uns mit den teilnehmenden Landfrauen austauschen. Wir erklärten, wie wichtig das Ausmelken sei, um einer Euterentzündung vorzubeugen. Dadurch könne viel Geld für eine Behandlung durch den Tierarzt eingespart werden. Ebenso verrieten unsere Bäuerinnen, welche Hausmittel sie erfolgreich bei Kälberdurchfall anwenden. Wir hatten den Eindruck, dass z.B. eine selbstgemacht Mischung aus Schwarztee mit etwas Salz und Traubenzucker den Frauen unbekannt war.

 

Für das zweite Training fuhren wir nach Lokomu, Kakamega County zur Lokomu Dairy Cooperative Society. Das Training fand in einer angemieteten Kirche statt.

Im Vordergrund spricht gerade Joynah, Agrartechnikerin vom Landwirtschaftsministerium (Abteilung Viehzucht) des County Kakamega. Ihr Credo lautet: Nur ein gut gehaltenes Kalb gibt später viel Milch. Besonders ausführlich ging sie auf die Schwierigkeiten bei der Geburt eines Kalbes ein.

Zeitgleich stellte sich die Landesbäuerin Anneliese Göller zusammen mit Ruth Niedermüller im Landwirtschaftsministerium von Kakamega bei Mrs. Franina Machwemu vor. Sie begrüßte unsere Initiative außerordentlich – das wäre der richtige Ansatz. Sie erzählte, das Ministerium hatte ein Projekt: „One Cow per Household“ (Eine Kuh pro Haushalt) ins Leben gerufen. Dabei wurden trächtige Kalbinnen mit guter Genetik verteilt, um die Milchleistung zu steigern. Mittlerweile wurde das Projekt gestoppt, da sie feststellten, dass die Kälbersterblichkeit mit 60% sehr hoch war und gutes genetisches Material geradezu verpufft ist. Es fehlt an einer fundierten Ausbildung der Kleinbauern. Sie sehe unsere Kälberaufzucht-Trainings als Pilotprojekt. Sie werden alle Außendienstmitarbeiter durch zwei Agrartechnikerinnen schulen lassen, damit diese das neue Wissen an Kleinlandwirte und Gruppen weitergeben.

                            Anneliese Göller mit Franina Machwemu, Leiterin der Abteilung Viehzucht im Landwirtschaftsministerium von Kakamega.

…das ist die Küche mit den fleißigen Frauen, die für die Teilnehmerinnen und uns das Mittagessen zubereiten.

Ruth Niedermüller und Anneliese Göller im Dialog mit den Bäuerinnen von der Lukomo-Gruppe. Für viele Familien sind die Rinder eine Art Sparkasse. Im Notfall werden Rinder verkauft. So wollte eine kenianische Bäuerin wissen, wie viel Geld wir für eine Kuh bekämen.

Im Anschluss besichtigten wir die Milchannahmestelle der Lukomo-Gruppe. Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer war im Juli 2016 zum ersten Mal hier – zur Einweihung der Anlage mit einem 3000 Liter-Tank. Heute ist sie positiv überrascht über die Initiative der Genossenschaft.

Der Geschäftsführer Gilbert Sunguti hat ehrgeizige Pläne, bis 2022 will er es schaffen jeden Tag 3000 l Milch seiner Genossenschaftsmitglieder zu vermarkten. Momentan vertreibt die Kooperative 500 l/Tag. Derzeit ist er auf der Suche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten und langfristigen Abnehmern. Er erzählte uns, dass er den Kontrakt mit einer Molkerei gekündigt hat und nun regional vermarktet, u.a. an Schulen und Institute. Dadurch wurde der Auszahlungspreis für die Milch von 23 auf 33 KES/Liter (von etwa 19 auf 27 Cent/Liter) gesteigert. Das zieht wiederum neue Bauern an. Mithilfe unseres Kälbertrainings erhofft er sich für die Mitglieder eine Steigerung der Milchmenge durch bessere Haltung und Fütterung.

 

Für unser drittes Training fuhren wir nahe an die Grenze nach Uganda, nach Bukonoi im Bungoma County zur Gruppe „Women of Hope“. Auch hier konnten wir in einer angemieteten Kirche tagen. Mrs. Phaenice Cherotich leitet die Gruppe, die seit 2011 besteht und mittlerweile 20 Mitglieder zählt.

Hier sind wir auf dem Weg nach Bukonoi, im Hintergrund beginnt schon das Massiv des Mount Elgon.

Die Agrartechnikerin vom Landwirtschaftministerium Rose stellte ihren Vortrag unter dem Motto: “Our calf of today is tomorrows cow “ (Unser Kalb von heute ist die Kuh von morgen). Eine gute Kälberaufzucht ist die Grundlage für eine leistungsfähige Milchkuh.

Trainerin Rose zeigt den Teilnehmerinnen, wie man mit einfachen Mitteln das Gewicht eines Kalbes bestimmen kann. Anhand des gemessenen Brustumfanges kann man in einer Tabelle das Gewicht des Kalbes ablesen. Das ist wichtig für die Behandlung mit Entwurmungsmitteln.

Maria Urban versucht, das Demonstrations- Kalb zum Saufen zu animieren.

 

Auf dem Weg nach Kimilili überholten wir einen – für die Region typischen – Milchtransporter.

Die meisten Tiere im Projektgebiet sind schon sehr mager – warum, weil die wenige Milch, die die Kuh gibt, nur teilweise an das Kalb verfüttert wird.  Die Milch wird entweder zuhause in der Familie verbraucht oder auf dem Markt verkauft. Die Kuh gibt deshalb wenig Milch, weil sie zu wenig gehaltvolles Futter bekommt – ein Teufelskreis. Dabei wäre es durchaus möglich, in der Regenzeit Heu oder Silage zu machen (in kleinen Rahmen) – aber es braucht halt Ausbildung und Aufklärung.

 

Unser letztes Training fand auf dem Hof von Moses Wafula in Kimilili im Bungoma County statt. Erneut referierte die Agrartechnikerin Rose vor knapp 60 Teilnehmer/innen. Sie hielt die Bäuerinnen an, Termine genau einzuhalten und in einem Heft festzuhalten, wie z.B. ab dem 3. Tag dem Kalb Wasser geben, ab der 3.Woche Rauhfutter zu füttern. Auch sollten die Termine für Entwurmung bzw. Parasitenbehandlung genau eingehalten werden. Besonders begrüßt wurde Samson Kunyu, Direktor der Abteilung Tierische Erzeugung im Landwirtschaftsministerium von Bungoma. Er ermutigte die Teilnehmer, das Erlernte konsequent umzusetzen. Nur so könnten sie Schritt für Schritt der Armut entfliehen.

Ein Teilnehmer misst den Brustumfang des Kälbchens zur Gewichtsbestimmung.

 

 

 

 

 

 

 

 

  Die fleißige Ehefrau in der Küche beim Zubereiten des Mittagessens. … mit Gemüse aus dem eigenen Garten.

Am letzten Tag in Westkenia hatten wir noch ein Treffen mit dem Landwirtschaftsminister von Bungoma, Herrn Matthew Wanjala. Herr Wanjala ist seit Januar 2018 im Amt. Die Milchmenge der Kleinlandwirte liegt im Durchschnitt bei 3-5 Ltr./Kuh – im Durchschnitt werden 2-3 Kühe gehalten. Ihr Anliegen sei es, die Milchleistung der Kühe zu verbessern. Dazu bedarf es steter Ausbildung und Unterweisung der Landwirte. Wir stellten uns, unser Projekt und die bis jetzt erfolgten Aktivitäten vor. Er war begeistert von unseren Trainings zur Kälberaufzucht und versicherte uns, dass die Außendienstmitarbeiter des Amtes nun speziell zu diesem Thema geschult werden, um die Bauernfamilien flächendeckend weiterbilden zu können.

Von links: Angelika Eberl, Carola Reiner, Anneliese Göller, Minister Matthew Wanjala, Christine Reitelshöfer, Maria Urban, Ruth Niedermüller, der Stellvertreter von Minister Wanjala und Samson Kunyu, Direktor für Tierhaltung.

Auf dem Rückweg nach Kisumu machten wir noch einen Stopp am Äquator und konnten dort selbst beobachten, dass Wasser auf der nördlichen Erdhalbkugel im Uhrzeigersinn abfließt, dagegen Wasser auf der südlichen Halbkugel sich gegen den Uhrzeigersinn drehend abfließt und Wasser, genau auf dem Äquator ohne Rotation einfach nach unten abfließt.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die warme Gastfreundschaft und das große Interesse an uns und unserer Aufgabe. Wir waren alle sehr beeindruckt von der herzlichen Begrüßung, dem Engagement und der Schaffenskraft der kenianischen Landfrauen – mitsingen ging ganz gut, beim Tanzen haben wir uns zwar nach Kräften bemüht, konnten aber leider nicht mithalten.