Drei Kenianerinnen kommen zum Internationalen Seminar für weibliche Führungskräfte der GIZ nach Feldafing und Herrsching

Vom 30. Juli bis 10. August 2018 führte die GIZ den Internationalen Workshop für Frauen in Führungspositionen in Feldafing und Herrsching durch.
Insgesamt nahmen 44 Frauen aus folgenden acht Ländern teil:
Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana ,Indien, Kenia, Mali, Mozambik, Sambia, Togo und Tunesien,
Ziel des Seminares ist die Stärkung der Frauen in ihren Führungsrollen, die Reflexion über die Rolle der Frau im ländlichen Raum und die Anwendung des hier gelernten in ihren Heimatländern.
Drei Frauen aus unserem Projekt in Westkenia nahmen daran teil: Janet Omollo – sie ist die erste gewählte Repräsentantin der WoFaAK für den County Siaya
Daphne Muchai – Gründerin und Vorsitzende des im vorigen September gegründeten kenianischen Landfrauenverbandes (Women Farmer Association of Kenya = WoFaAK)
Nancy Onyino – Vorsitzende der Hema Sacco, einer sehr aktiven Selbsthilfegruppe.
Die Projektleiterin, Angelika Eberl hat am Abschlusstag ein paar Fragen an sie gestellt.


v.l. Nancy Onyino, Daphne Muchai, Landesbäuerin Anneliese Göller, Janet Omollo.

Welche Erwartungen hatten Sie an diese Schulung?
Janet: Ich war sehr aufgeregt. Besonders interessiert war ich am Thema Konfliktmanagement. Denn die Frauengruppen bei uns haben viele Konflikte untereinander und wissen oft nicht, wie sie diese lösen können. Ich war auch sehr gespannt auf die Frauen aus den anderen teilnehmenden Ländern – mit einer Frau aus Ghana bin ich nun sehr gut vernetzt.
Daphne: Ich hatte große Erwartungen an die beiden Themen: Organisieren und Organisationen, denn zuhause in Kenia brauchen wir mehr Strukturen für unsere Organisationen.
Nancy: Ehrlich gesagt, hatte ich keine Erwartungen – ich freute mich einfach darauf Neues zu lernen und gleichgesinnte Frauen kennen zu lernen.

Was beeindruckte Sie besonders?
Janet: Die Unterrichtseinheiten waren interaktiv gestaltet, jede war angehalten einen Beitrag beizusteuern, das hat mir gut gefallen. Die Moderatorinnen waren klasse. Ich habe viel über die Eigenschaften einer Moderatorin gelernt und kann diese nun zuhause üben und anwenden. Besonders beeindruckt haben mich auch die drei Frauen in Führungspositionen, die uns aus ihrem Arbeitsalltag erzählt haben.


v. l. im Kreise der Teilnehmerinnen: Christine Reitelshöfer, stellvertr. Landesbäuerin und Bezirksbäuerin Mittelfranken, Frau Dr. Eiling-Hüting, MdL, Silvia Schlögel, Mitbegründerin „die Hauswirtschafterei“, die über ihre Arbeitswelt und ihre Erfahrungen berichteten.

Daphne: Die gesamte Organisation und Vorbereitung des Seminars für so viele Frauen aus verschiedenen Ländern – das war perfekt gemacht. Es wurden tolle, interessante Frauen eingeladen, die uns Mut machten und Tipps gaben. Die Inhalte des Seminares waren super. Alle Frauen sind glücklich über die inhaltliche Struktur. Es ist einfach wichtig, beharrlich und ausdauernd zu sein für eine gute Sache, für die eigene Vision. Beispielsweise soll man negative Leute an der Seite lassen, sich nicht an ihnen aufarbeiten oder frustrieren lassen. Stattdessen ist es besser, sich auf die positiven Menschen zu konzentrieren und mit ihnen zusammenarbeiten. Wenn sich dann der Erfolg einstellt, ist es wichtig, die negativen Leute mit einzubinden. Ebenfalls beeindruckt hat mich die umfassende Unterstützung von Kerstin Wagner, der Projektassistentin der BBV-LIZ bei der Vorbereitung unserer Reise nach Bayern.
Nancy: Mich hat das gesamte Training beeindruckt. Meine Führungseigenschaften sind jetzt gestärkt. Ich bin überzeugt, dass ich dadurch mehr junge Frauen für unseren Verein gewinnen kann. Ich habe erfahren, dass die Probleme der Frauen in anderen Ländern ähnlich sind, unsere jeweilige Situation ist ziemlich gleich. Das tut gut.

Hat sich Ihr Bild von Deutschland geändert?
Janet: Ursprünglich dachte ich, die Deutschen wären reserviert und unzugänglich. Aber das stimmte nicht. Die Menschen hier waren so freundlich und hilfsbereit. Wir haben gemeinsam getanzt und gelacht. Überwältigt war ich über den herzlichen Empfang in Spatzenhausen. Mir kamen die Tränen.


Gemeinsamer Tanz mit den Frauen aus Kenia beim kenianischen Abend in Spatzenhausen.

Daphne: Mich hat besonders beeindruckt, dass sich so viele wichtige Personen während des Seminares um uns gekümmert haben. Die Landesbäuerin Anneliese Göller hat am letzten Abend mit uns gemeinsam getanzt, obwohl sie ihr Referat bereits am Nachmittag gehalten hatte. Das gäbe es in Kenia nicht – dort fühlen sich die höher gestellten Persönlichkeiten als etwas Besseres und verschwinden gleich wieder nach ihrem offiziellen Auftritt. Anders auch die Landtagsabgeordnete Frau Dr. Eiling-Hütig, sie nahm sich die Zeit mit uns gemeinsam Kaffee zu trinken. Das finde ich einfach toll.

Wen haben Sie persönlich zum Vorbild?
Nancy: Wangari Maathai*
Janet: Wangari Maathai, für ihre Leidenschaft für eine bessere Umwelt , sie hat Kenia verändert.
Daphne: Wangari Maathai, für ihre Hartnäckigkeit, sich nicht um Kosten zu scheren, wenn es darum ging Dinge zu verändern, wie das „green belt movement“.
Graça Machel*, für ihre Leidenschaft für die Rechte von Frauen und Kindern weltweit einzutreten.
Barack Obama, für seine natürliche Einfachheit, er ist ein unkomplizierter, warmherziger Mensch geblieben.

Trägt dieser Workshop dazu bei, Eure Arbeit zu verbessern?
Nancy: Ja – ich fühle mich jetzt gerüstet, die Organisation meiner Gruppe zu stärken. Einfach durch die neuen Methoden, die ich gelernt habe – ich möchte einige Dinge anders anpacken und dadurch verbessern.
Janet: Eindeutig – ich werde die neuen Erkenntnisse und Methoden zuhause umsetzen – ich freue mich schon richtig darauf.
Daphne: Ja – für mich ist die Selbstreflektion wichtiger geworden, ich agiere oft in einer dreifachen Funktion, sozial, produktiv und politisch. Ich will mir zukünftig mehr Klarheit verschaffen, ob ich diesen Rollen gerecht werde. Außerdem ist mir bewusst geworden, wie wichtig aktives Zuhören ist. Das will ich unbedingt in meine Referate aufnehmen und üben. Vielen Dank für ALLES.

* Wangari Maathai (1940 -2011) war eine kenianische Professorin, Wissenschaftlerin, Politikerin (stellvertretende Ministerin für Umweltschutz von 2002-2011)
Sie erhielt 2004 den Friedensnobelpreis.
Sie hat das Green Belt Movement (Grün Gürtel Bewegung) ins Leben gerufen. Sie sah in der zielstrebigen Förderung afrikanischer Frauenpolitik die beste Vorbeugung gegen Wasser-und andere Umweltschäden.

*Graça Machel, (* 17. Oktober 1945 im Manjacaze, Mosambik) ist eine afrikanische Politikerin und Aktivistin für Menschenrechte.
Sie ist sowohl Witwe des früheren Präsidenten von Mosambik, Samora Machel, als auch des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela. Sie ist die einzige Frau, die in zwei Ländern First Lady war. Sie engagiert sich weltweit für die Rechte von Frauen und Kindern und hat hierzu 2010 die Graça-Machel-Stiftung gegründet.